Die Einweihung der neugebauten Schule auf dem Chemnitzer Kaßberg, an der noch heute lebhaftes Treiben herrscht, erfolgte am 5. Oktober 1908. „Namenspatron" der Schule wurde der 1903 verstorbene Dr. Hein­rich Friedrich Wilhelm André. André wurde 1827 in Osnabrück geboren. Er prägte Chemnitz vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und starb auch in "seiner" Stadt im Juni 1903. Am 20. Oktober 1874 wurde Dr. André in sein Amt als 1. Oberbürger­meister der Stadt Chemnitz eingeführt. In einem Zeitraum von 22 Jahren, bis zum 30. Juni 1896 sollte er dieses Amt erfolgreich und zum Vorteil der Stadt ausüben. Chemnitz gewann in der Zeit der Industrialisierung als „Sächsisches Manchester" an Einfluß, konnte sich gegen Leipzig und Dresden als Wirt­schaftsstandort behaupten und wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhun­derts zur Großstadt. Am letzten Tag seiner amtlichen Tätig­keit erschien in einem Chemnitzer Tageblatt eine Bekanntmachung, in der sich Dr. André von den Chemnitzer Bürgern verabschiedet:

 „...Ich bin in den nahezu 22 Jahren meiner hiesigen amtlichen Tätigkeit auf die Stadt Chemnitz, ihre Bewohner und deren Fleiß und Tatkraft sehr stolz gewesen. Mein Beruf hat es mit sich gebracht, dass ich nicht allen Wünschen, die an mich kamen, habe entsprechen können. Ich bitte aber, mir das, soweit möglich, nicht nachzutragen. Für das mir jederzeit entgegenge­brachte Vertrauen spreche ich meinen herzlichen Dank aus. Ich bitte die Bewohner und Bürger von Chemnitz, alle, mit denen ich in amtlicher Tätig­keit gemeinsam zu wirken hatte, die städtischen Beamten, die Vertreter der Bürgerschaft und deren Vorstand, sowie die Mitglieder des Rates, denen ich soviel zu verdanken habe, mir ein freundliches Andenken zu bewahren. Möge unsere liebe Stadt Chemnitz alle Zeit wachsen, blühen und gedeihen. Das walte Gott! Andre, Dr."

Die Stadt Chemnitz bewahrte Dr. Wilhelm André nicht nur ein „freundliches Andenken", sie verlieh sowohl der Andréstraße auf dem Kassberg als auch der Andréschule seinen Namen.

        

 

Der große Schulbau beherbergte eine Knaben- und eine Mädchenschule, daher sprach man auch von der Andréschule l und II. Zu DDR- Zeiten erfolgte eine Umbenennung. Die Andréschule l (Knaben) wurde am 1. September 1977 zur Bertolt-Brecht-Oberschule, die Andréschule II zur Hanns-Eisler-Oberschule.Bertolt Brecht lebte von 1898 bis 1956 und machte sich als Dramaturg, Lyriker und Erzähler einen Namen. Er leitete ab 1949 mit seiner Frau, Helene Weigel, in Berlin ein eigenes Theater (Berliner Ensemble). Hanns Eisler, geboren 1898, verstorben 1962, komponierte u.a. die Nationalhymne der DDR und arbeitete oft und intensiv mit Bertolt Brecht zusammen.

 

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Im Zuge der Ereignisse von 1989 veränderte sich natürlich auch die Schullandschaft erheblich. Die „Dop­pelschule" wurde zum Gymnasium, zunächst noch ohne konkreten Namen. Das Haus wurde zum Gym­nasium „Henriettenstraße". Doch die Namenlosigkeit dauerte nur kurze Zeit an, bereits 1993 erhielt die Schule den Namen des Chemnitzer Oberbürgermeisters zurück und ist als Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium fester Bestandteil Chemnitzer Stadtge­schichte.

 M. Reibeling

(nach Quellen Schularchiv)